Renate Fally – Bildung und Erotik in Gneis

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PORTRAIT. Sie war Mitarbeiterin der ersten Modeboutique Salzburgs, arbeitet als Bürokraft, wurde mit 53 aus einem Architekturbüro entlasse und das AMS riet ihr, einfach auf die Pension zu warten. Das entsprach aber nicht dem Naturell von Renate Fally, die nun mit 61 Jahren das Bildungswerk Gneis ehrenamtlich leitet. Begonnen hat alles aber mit einem Erotikkalender mit reifen Schönheiten.

Nachhaltig Veränderungen prägten ihr Leben

„Ich bin eine gebürtige Salzburgerin, aufgewachsen in Maxglan und habe zwei Kinder, die ich streckenweise alleine großgezogen habe. Deswegen war ich gezwungen, auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist nun Vergangenheit, es ist überstanden. Aber es hat meinen Blick auf die Welt nachhaltig beeinflusst.

Von AMS nicht entmutigen lassen

Nach diversen Jobs wechselte Renate Fally mit 43 Jahren in ein Architekturbüro. “Leider wurde ich dann nach fast 10 Jahren entlassen – wie sich zeigen sollte ein Glücksfall. Die Dame beim AMS hat gesagt, ich solle nun in die Arbeitslose gehen, dann die Notstandshilfe beziehen und dann in Pension gehen. Darauf sagte ich, sie hätte mich nicht richtig verstanden, ich wollte arbeiten. Die Antwort der Dame war, dass ich in meinem damaligen Alter keinen Job mehr finden würde. Dann habe ich das selbst in die Hand genommen und einfach in der Zeitung geschaut. Dort fand ich eine Anzeige, dass eine Immobilienmaklerin gesucht würde. Das war dann mein Traumberuf – gefunden bei der Immobilienkanzlei Salzburg. Dort habe ich alles gelernt und auch bis zu meiner Pensionierung dort gearbeitet, Auch heute arbeite ich noch ab und an als Maklerin, es macht immer noch Freunde.“

„Viel Ehr und garantiert kein Geld“

Die ersten Monate in der Pension habe sie genossen, meint Renate Fally. Dann sei es ihr aber zu langweilig geworden und sie suchte eine neue Herausforderung. Das erste was sie dann tat, war einen Erotikkalender herauszugeben – die Arbeit dafür begann aber schon während ihrer Berufstätigkeit. „Gedacht war das Projekt als eine soziales für die Kinderkrebshilfe. Auch die Arbeit mit den Frauen und den Fotographen hat sehr viel Spaß gemacht. Danach habe ich privat einen Bücherschrank gemacht und wurde daraufhin von der Gemeindeentwicklung, in Person von Alexander Glas, angesprochen, ob ich nicht beim Salzburger Bildungswerk ehrenamtlich mitarbeiten wolle.“

„Am Anfang hatte ich keine Ahnung“

Damals habe sie so gar keine Ahnung davon gehabt, was ein Bildungswerk eigentlich macht. Vor Ort habe sie dann nette und sehr engagierte Menschen getroffen. Diese sagten ihr, sie könne an Veranstaltungen anbieten, was sie interessant finde und auch andere begeistern kann. „Sobald ich eine Idee habe die mich interessiert, glaube ich, das würde auch andere interessieren – und bisher war es immer so. So haben wir nun das erste Halbjahr hinter uns gebracht, und das mit großem Erfolg.“ Den Abschluss bildete bisher der Recyclingmarkt, der dank seines Erfolges auch kommendes Jahr wieder stattfinden wird.

„Ich kaufte eine Kette aus Gummiringerl“

„Der Recyclingmarkt, der war so klasse, so klasse“, strahlt Renate Fally über das ganze Gesicht voller Stolz. „Es hat alles wunderbar geklappt, das Wetter war toll, es sind viele Leute gekommen und ich habe selbstverständlich auch etwas gekauft – eine Kette aus Gummiringerl. Das ist so etwas Originelles, auf das mich schon sehr viele Leute angeredet haben. Für das nächste Mal hoffe ich, dass wir jemanden finden, der Metallarbeiten macht, weil wir am Vorplatz des Kleingmainerhofes Platz dafür hätten.“

Erotikkalender wegen der Erkrankung einer Freundin

Ob Renate Fally wieder einmal einen Erotikkalender machen will, steht noch nicht fest. „Ich habe damals erfahren, dass meine Freundin Krebs hatte, und ich brauchte etwas, was mich beschäftigt und ablenkt. Inspiriert wurde ich von dem Film ‚Calender Girls‘. Meine Freundin ist leider drei Monate nach Beginn der Arbeiten für den Kalender gestorben – sie hat das Ergebnis leider nie sehen dürfen. Dann ist mir auch noch der Fotograf abgesprungen. Anschließend suchte ich Modefotografen, die entweder sehr nett oder grenzenlos unverschämt waren. Einer war dabei, der sagte mir, ob ich wüsste, wie alt ich sei, und keiner würde alte Weiber sehen wollen. Letztlich habe ich aber doch gute Fotografen gefunden und die Frauen hatten einen riesen Spaß an den Shootings.“

Renate Fally hat noch Exemplare des Erotikkalenders aus dem Jahr 2007 lagernd. Wer noch einen haben möchte, sie würde sie gerne verschenken. Einfach eine E-Mail an info(@)von-dahoam.at und wir leiten die Anfrage an Renate Fally weiter.

Fotos: Scheinast.com /Sbg. Bildungswerk

Fotos Kalender:

Jänner: Werner Mokesch/ Februar: Franz Neumayr/ März: Andy Geser/ April: Art Paper Wolfgang Stadler/ Mai: Gabi Scheinast/ Juni: Kain/ Juli: Karin Hofbauer/ August: Hannes Kutzler/ September: Wolf-Reisenberger/ Oktober: Franz Neumayr/ November; Gabi Scheinast/ Dezember: Thomas Vockenhuber

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