Manfred Baumann – seine Zeit beim ORF Salzburg

0

PORTRAIT. Manfred Baumann gehört zu Salzburg wie der Jedermann, die Wasserspiele, die Zauberflöte und vieles mehr. Der gebürtige Halleiner ist ein Urgestein beim ORF Salzburg, ist Kabarettist und seit einigen Jahren auch erfolgreicher Krimiautor. Ein Leben, so gefüllt mit besonderen und speziellen Geschichten braucht Platz – darum hier nun der erste von drei Teilen des Portraits über den Mann, der nicht nur Sir Peter Ustinov zum Gespräch bat, sondern auch weiß, was „hoppadatschig“ bedeutet.

Der erste Teil der Geschichte des Manfred Baumann beschäftigt sich mit seinem Werdegang als ORF-Angestellter.

Wie alles begann – der erste Schritt im ORF war HÖRspielBAR

„1976 habe ich in Salzburg zu studieren begonnen – Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Bereits davor habe ich immer schon ein bisschen geschrieben – angefangen in der Schulzeit. Ich schrieb Sketche für irgendwelche Schulfeiern, habe kleinere Theaterstücke umgeschrieben und auch Liedertexte im Stil eines Reinhard Mey verfasst. In einer Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, habe ich dann ein Kriminalhörspiel geschrieben – der Titel lautete ‚Mord im Rollstuhl‘. Es ging um drei Personen, die allesamt am Schluss tot waren“, erinnert sich Manfred Baumann.

Während seiner Studienzeit lernte er Dr. Ernst Ziegeleder kennen, „der damals wirklich alle kannte – angefangen beim Landeshauptmann bis hin zu jedem einzelnen Pressesprecher. Er war mein Dozent, und nach einer Vorlesung ging ich zu ihm. ‚Was macht man, wenn man ein Kriminalhörspiel geschrieben hat?‘, fragte ich ihn. Er meinte, ‚Da rufen sie am besten in der Literaturabteilung im Landesstudio Salzburg an und verlangen den Herrn Klaus Gmeiner.‘ Ich werde den Satz, der nun kommt nie vergessen und ich habe ihn meinem späteren Intendanten auch erzählt und der ist fast vom Sessel gefallen vor lauter Lachen. ‚Die Herren pflegen um zehn Uhr zu kommen‘. Das war damals so.“

Kurze Zeit später, gewiss nach 10 Uhr, rief der junge Manfred Baumann an, bekam einen Termin bei Klaus Gmeiner und wurde mit folgenden warmen Worten begrüßt. „‚Selbst wenn es uns gefällt, kann es sein, dass wir gar keinen freien Termin bekommen.‘ Ich habe dann auch gar nicht mehr mit irgendwas gerechnet. Sechs Wochen später allerdings bekam ich einen Brief. ‚Sehr geehrter Herr Baumann, Ihr Hörspiel gefällt uns und wir werden es produzieren‘. Damals fühlte ich mich so, als ob als nächstes der Nobelpreis auf mich wartet – so euphorisch war ich“, grinst Manfred Baumann. Was der Jungautor damals noch nicht wusste, jede Minute, die sein Hörspiel auf Sendung war, brachte ihm Geld in seine Taschen. „Das Sendungsformat war auf 30 Minuten angelgt, mein Hörspiel war aber nur 22 Minuten lang. Aber als junger Vater brachten mir die 6.500 Schilling sehr viel“, so Baumann. „Ein Jahr später folgte mein nächstes Hörspiel. Und da achtete ich schon sehr darauf, dass es auch mindestens 30 Minuten lang war.“

Wie es weiterging – die große Chance nach der großen Chance

Nachdem Manfred Baumann einen Fuß in der ORF-Tür hatte, wollte er mehr. „Nach den Hörspielen wollte ich für den ORF in Salzburg auch in anderen Bereichen arbeiten. ‚Ich kann ihnen hier leider keinen Schreibtisch reinstellen‘, sagte Literatur- und Hörspielchef Klaus Gmeiner. Aber er bot mir an, für die Literatursendung Bücher zu besprechen. Und dann ergab sich 1980 noch eine andere Chance. Peter Rapp moderierte die Show „Die große Chance“. Dabei suchte man österreichweit nach Talenten – die Castingshows sind also keine Erfindung heutiger Fernsehmacher. Jedes Bundesland machte mit und die Bundeslandsieger kamen dann nach Wien in die Show. Ich trat mit selbstgeschriebenen Texten und meiner Gitarre an“, so Baumann.

Der damalige Salzburger Unterhaltungschef Horst Springauf, der hier für die Sendung verantwortlich war, wollte, dass Baumann in Salzburg gewinnt. „Die Kollegen aus Wien wollten das aber nicht und haben mich auf den zweiten Platz gereiht. Vor mir auf Platz eins lag eine Kunstpfeiferin. Horst Springauf war aber hartnäckig und hat mit zehn Personen, die ihm aufgefallen waren, eine eigene Radio-Live-Sendung gemacht – darunter war auch ich. Was ihm an meiner Nummer gefallen hatte, war, das ich der einzige war, der etwas originelles, etwas eigenes gemacht hatte. Die anderen versuchten zum Beispiel so zu singen wie John Denver. Nach der Sendung und meiner Bühnendarbietung sagte Horst Springauf zu mir, ‚Sie können sicher etwas anderes auch noch, wollen sie nicht für uns arbeiten‘“, beschreibt Manfred Baumann seine „große Chance“.

Der erste richtige Job – Die Österreich Rallye brachte viel Zeitvertreib

„Mein erster größerer Job beim ORF“, so Baumann weiter, „war dann bei der Unterhaltungssendung ‚Österreich Rallye‘. Das war eine Radio-Live-Quiz-Sendung, in der Orte aus verschiedenen Bundesländern gegeneinander antraten. Ich habe für Salzburg die Fragen erfunden, die dann die ‚Gegner‘ aus den anderen Bundesländern zu knacken hatte. Ich habe zu den Fragen auch die entsprechenden Beiträge produziert. Wenn die Salzburger Orte an der Reihe waren, bin mit ich mit Horst Springauf zu den Live-Sendungen gefahren. Wir haben auch versucht, das jeweilige Rate-Team der Salzburger Gemeinde zu unterstützen. Die sind da gesessen mit stapelweise Lexika und Sachbüchern. Damals gab es ja kein Internet, da musste schon der Schuldirektor mit einigen Metern Brockhaus anrücken“, lacht Manfred herzlich.

Im Jahr 1981 startete die Unterhaltungssendung „Zeitvertreib“. „Horst Springauf animierte mich dazu, dafür immer einen satirischen Beitrag zu gestalten, als Autor und Gestalter. Das reichte von selbst geschriebenen Liedern bis zu kleinen Sketches, die dann Schauspieler eingesprochen haben“, sagt der gebürtige Halleiner.

Intermezzo – Wenn keiner den Preis verdient, wird er vom ORF produziert

Bei den Rauriser Literaturtagen begab sich einst etwas Seltsames. „Damals wurde auch ein Hörspiel-Wettbewerb ausgeschrieben. Ich beteiligte mich daran. Das Schlimme war: die meisten Einreichungen waren offenbar so schlecht, dass man den Wettbewerb schlussendlich absagte. Klaus Gmeiner, der in der Jury saß, gefiel nur ein einziges Manuskript: nämlich meines. Also produzierte er mein Hörspiel außerhalb des Wettbewerbes. Ich weiß nicht, ob das Sendeband dieser Produktion noch exisitert. Es könnte in irgendeinem verstaubten Winkel in einem ORF-Archiv schlummern. Ganz sicher gibt es noch Aufnahmen von einer Hörspielreihe mit dem Namen ‚Die letzte Kugel ist für Mozart‘. Davon schrieb ich Anfang der 1990er Jahre fast vierzig Folgen, jede so um die 5 Minuten. Daneben machte ich mit meiner Tochter, als sie fünf Jahre alt war, einige Vater-Tochter-Dialoge für die Sendung ‚Zeitvertreib‘. Sie fingen immer an mit ‚Papa, darf ich dich etwas fragen?‘ – ‚Ja natürlich, mein Schatz‘ …‘ Und dann kamen so unerwartete Fragen wie ‚Warum heißt das Nilpferd Nilpferd?‘. Und ich versuchte als ‚Papa‘ immer superschlaue und ‚pädagogisch wertvolle‘ Antworten zu geben, die sie dann jedes Mal mit kindlicher Naivität und gelassener Souveränität zerpflückte. Am Ende war immer die Kleine die gewieftere. So wie im echten Leben“, schmunzelt Baumann.

Manfred Baumann – nach der Pension ist vor der nächsten Herausforderung

Bis heute arbeitet Manfred Baumann für den ORF Salzburg. Er wurde Chef der Kreativabteilung, machte Livesendungen, produzierte, war Quizmaster, bildete aus und formte mehr als eine neue Generation von Radiomachern. Rund 33 Jahre sind vergangen und wie alles, was gut und richtig ist, endet die Ära des Manfred Baumann mit Ende des Jahres 2014. Aber untätig wird der baldige ‚Vorruheständler‘ nicht werden. Gemeinsam mit Fritz Messner und Peter Blaikner kabarettisiert er auch weiterhin und als Autor der bekannten Krimis um Kommissar Martin Merana setzt sich sein Erfolg fort. Im zweiten Teil des Portraits von Manfred Baumann erfahren Sie mehr über seine Kabarettlaufbahn, in Teil drei lesen sie, warum es zur ersten Begegnung zwischen Martin Merana und seiner jungen Flamme kam und dass das so gar nicht gewollt war.

Fotos: von-dahoam.at/Stefan Köstlinger

 

Bonusmaterial:

Wie bei jeder guten Geschichte, ist am Ende noch nicht alles erzählt. So lässt Manfred Baumann am Ende seiner ORF-Geschichte Vieles Revue passieren und gibt eine Einschätzung über die Zukunft seines Mediums Radio ab.

Highlights beim ORF – Peter Ustinov und Manfreds Studenten

Seine Laufbahn beim ORF könne er nicht auf nur ein Highlight beschränken. „Ich versuche es, auf ein paar zu einzugrenzen. Es gibt einige Sachen, die sich für mich durch meine Arbeit beim ORF Salzburg eröffnet haben, die mir ansonsten verwehrt geblieben wären. Ich habe beispielsweise für Ö1 viele Künstler portraitieren dürfen – darunter Größen wie den Violinisten Gidon Kremer und den Tenor Peter Schreier. Besonders im Gedächtnis blieb mir mein Interview mit Sir Peter Ustinov. Ich habe eine Stundensendung mit ihm 1986 gemacht. Damals unterrichtete er an der Sommerakademie der Universität Mozarteum und inszenierte den Figaro hier in Salzburg“, erinnert sich Baumann.

„Weiters würde ich Uniradio gern dazu nehmen“. Uniradio ist eine Lehrveranstaltung an der Universität Salzburg, in der Studenten das Handwerk eines Radioschaffenden näher gebracht wird. „Hier musste ich zum ersten Mal wirklich über meine eigene Arbeit reflektieren. Ich musste mich darauf vorbereiten, Menschen mit einer relativ hohen Ausbildung meine Arbeit näher zu bringen. Die Studenten stellten mir immer wieder Fragen, die ich nicht erwartet hatte. Somit durfte ich durch sie meine Tätigkeit immer wieder aus einem neuen Blickwinkel betrachten – das hat mich in vielen Dingen weitergebracht“, so „Professor“ Baumann.

Auch heute noch geht Manfred Baumann mit Leidenschaft und Liebe seiner Arbeit beim ORF nach. „Als Verantwortlicher für die Volkskultur habe ich die Lange Nacht der Volksmusik initiiert. Dabei spielen hier im ORF Salzburg Gruppen und wir verbinden deren Spiel immer mit den Sendungen, die aktuell laufen. Das macht eine Sauarbeit, aber auch irrsinnig viel Spaß, weil es von Anfang an eine Innovation von mir war.“

Innovationspotential für das Radio

Das Radio ist für heutige Verhältnisse ein sehr altes Medium. Ob es trotzdem noch Innovationspotential birgt, weiß Manfred Baumann auch nicht, aber „dieses Medium wird Bestand haben, weil es interaktiv ist. Radio ist schnell und benötigt keinen großen technischen Aufwand. Onlineradios werden dann eine Zukunft haben, wenn sie es schaffen, Nischen zu bedienen und dies sehr professionell machen. Es gibt so viele Onlineradios, bei denen du alle Arten der Musik hören kannst. Manches davon ist sehr hoppadatschig gemacht. Das klingt oft so, und ich bitte dies nicht abwertend zu verstehen, als würden sich Menschen mit ihrem Laptop ins Badezimmer setzen und versuchen, irgendwelche anderen Leute zu erreichen. Der Vorteil von Onlineradios ist, dass sich der Zuhörer seinen Content, wie das ja auf Halleinerisch heißt, komplett selbst zusammenstellen kann“, prognostiziert Manfred Baumann.

Mit Manfred Baumann verlässt mit Ende 2014 ein Großer seinen angestammten Platz vor dem Mikrophon. Über viele Jahre ging er mit Begeisterung seiner Profession als beliebter und erfolgreicher Radiomacher nach. Der Äther verliert einen, der für viele ein Sinnbild für Salzburg und für Salzburger Radio war, ist und sein wird.

Share.

About Author

Leave A Reply