Disteln sind mehr als nur kratzende Pflanzen

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LAND SALZBURG. Wer kennt sie nicht auch aus manchmal schmerzvoller Erfahrung, die Disteln? Was man gemeinhin als “Disteln” bezeichnet, sind in der Regel Vertreter verschiedener Korbblütler-Gattungen, meist die eigentlichen Disteln (Carduus) oder Kratzdisteln (Cirsium).

Verwechslungen mit Disteln

Oft werden auch andere Stauden mit stacheligen Blättern als Disteln bezeichnet, so die ebenfalls zu den Korbblütlern gehörende, am Boden anliegende Silberdistel (Carlina acaulis), die ihrer essbaren Teile wegen in manchen Gegenden auch “Jägerbrot” genannt wird.

Insekten mit langen Rüsseln

Typisch für die echten Disteln sind zu dichten Körbchen zusammenstehende rötliche Blü-tenstände. Ihre Einzelblüten sind eng und röhrenförmig ausgebildet, so dass nur Insekten mit langen Rüsseln an den am Blütengrund abgesonderten Nektar gelangen können. Deshalb sieht man besonders häufig Schmetterlinge an Distelblüten naschen. Zumeist handelt es sich um Vertreter von Tagfalterfamilien wie den Kleinen Fuchs, das Tagpfauenauge oder den Trauermantel. Auch Scheckenfalter, Perlmuttfalter, Distelfalter, Schwalbenschanz und Kaisermantel sind speziell an diesen Pflanzen anzutreffen. Die Raupen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs fressen ausschließlich an Brennesseln.

Wichtige Funktion der „Unkräuter“

Daraus ist gut ersichtlich, dass häufig als “Unkräuter” missliebige Pflanzen wie Brennesseln und Disteln eine äußerst wichtige Funktion in heimischen Ökosystemen haben, um die biologische Vielfalt aufrechterhalten zu können. Unsere heimischen Tagfalterarten sind heute durchwegs gefährdet, da es an geeigneten Lebensräumen wie artenreichen Waldräumen oder extensiven Freiflächen mit Pflanzen wie den Disteln mangelt.

Wollige Kratzdistel ist geschützte Pflanzenart

Zu den charakteristischen Besuchern von Disteln gehören übrigens auch verschiedene Vogelarten wie der Stieglitz oder Distelfink, der die Samen der Disteln als Nahrung schätzt. Die besonders attraktive, in den Salzburger Bergen vorkommende wollige Kratzdistel (Cirsium eriophorum) ist eine im Bundesland Salzburg teilweise geschützte Pflanzenart. Solche Pflanzen dürfen weder ausgegraben noch in einer über einen Handstrauß hinausgehenden Menge gepflückt werden. Alle Tagfalterarten sind im Bundesland Salzburg vollkommen geschützte Tiere. Sie dürfen also beispielsweise nicht gefangen oder gar getötet werden. Die prächtigen Falter lebend an den Disteln zu beobachten, ist allein schon ein schönes Erlebnis, und ein gelungenes Foto der bunten Schmetterlinge zu knipsen, kann dieses noch krönen.

Foto: Land Salzburg/Naturschutzabteilung

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